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Plattenepithelkarzinom

Was ist ein Plattenepithelkarzinom?

Das Plattenepithelkarzinom – auch Spinaliom oder Stachelzellkrebs genannt – ist nach dem Basalzellkarzinom der zweithäufigste bösartige Hauttumor. Beide Hautkrebsarten gehören zum weißen Hautkrebs. Sowohl das Plattenepithelkarzinom als auch das Basalzellkarzinom können nach und nach umliegendes Gewebe zerstören. Darüberhinaus kann es in selten Fällen passieren, dass sich ohne Behandlung Metastasen bilden, also Tochtergeschwülste an anderen Organen. Wird das Plattenepithelkarzinom allerdings früh erkannt, dann stehen die Heilungschancen gut.

Wie häufig ist ein Plattenepithelkarzinom?

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2014 in Deutschland 29.300 Männer und 20.100 Frauen an einem Plattenepithelkarzinom. Das Risiko nimmt mit dem Alter zu. Das ist auch einer der Gründe, warum die Häufigkeit des Plattenepithelkarzinoms in den letzten 30 Jahren um das Vierfache gestiegen ist, denn die Bevölkerung wird immer älter. Im Durchschnitt sind Menschen mit einem Plattenepithelkarzinom um die 70 Jahre alt.

Wie sieht ein Plattenepithelkarzinom aus?

Ein Plattenepithelkarzinom entsteht (wie ein Basalzellkarzinom) meist an Körperstellen, die oft der Sonne ausgesetzt sind – auch „Sonnenterrassen“ genannt: im Gesicht und dort auch auf den Lippen, am Hals oder auf der Ohrenkante, seltener an Händen oder Unterarmen. Da es jedoch auch außer dem UV-Licht weitere Risikofaktoren für ein Plattenepithelkarzinom gibt (beispielsweise Rauchen, bestimmte Viren), kann ein Plattenepithelkarzinom auch an lichtgeschützten Bereichen entstehen. Das Plattenepithelkarzinom kann initial aussehen wie eine Hautkruste, eine schorfige Wunde oder häufig wie ein verhorntes, rotes oder hautfarbenes Knötchen. Das Knötchen geht nicht weg, wächst langsam, meist ohne Juckreiz oder Schmerzen.

Zitat

„Bei rauen, rötlichen oder auch hautfarbenen Krustig-belegten Knötchen an einer Körperstelle, die besonders stark dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, sollten die Patienten einen Hautarzt aufsuchen.“ Prof. Dr. Moritz Felcht von der Universitätsklinik Mannheim, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie

Was sind die Ursachen für ein Plattenepithelkarzinom?

Offenbar sind die Menschen am meisten gefährdet, die sich im Laufe ihres Lebens besonders viel in der Sonne aufgehalten haben. Diese kumulative UV-Strahlung – auch „Lebenszeitkonto“ genannt – ist hauptsächlich verantwortlich für das Plattenepithelkarzinom. Dabei richtet die UV-Strahlung Schäden am Erbgut der Hautzellen an, sodass unter Umständen Krebszellen entstehen. Menschen, die im Freien arbeiten, erkranken häufiger daran als andere Personen. Deshalb ist das Plattenepithelkarzinom seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt. Außer dem UV-Licht gibt es jedoch auch weitere Ursachen ein Plattenepithelkarzinom zu entwickeln. Hierzu zählen insbesondere auch chemische Noxen (z.B. Rauchen, Arsen, Teer), bestimmte Viren (Humanes Papillomvirus), eine chronische Immunsuppression (z.B. Organtransplantierte Patienten) aber auch in seltenen Fällen bestimmte Hauterkrankungen.

Überblick

UV-Licht. Das heißt umgekehrt: Sich vor zu viel Sonne zu schützen, ist die wichtigste Möglichkeit, um einem Hautkrebs vorzubeugen. Der beste UV-Schutz ist das Meiden von starker UV-Strahlung, gefolgt von Kleidung (beispielsweise ein Hut) und erst dann Sonnencremes. Auch auf Besuche im Solarium sollte man verzichten.

Hellere Haut. Menschen mit hellem Hauttyp haben ein höheres Risiko für weißen Hautkrebs als Menschen mit dunklerer Haut. Für sie gilt besonders, auf Sonnenschutz zu achten.

Aktinische Keratose. Ein Teil der Plattenepithelkarzinome entsteht aus einer Krebsvorstufe, der aktinischen Keratose. Aus diesem Grund wird die Behandlung von aktinischen Keratosen empfohlen.

Hauttumor in der Vergangenheit. Wer schon einmal an einem Hautkrebs erkrankt war, hat ein höheres Risiko, dass sich nochmals ein Hauttumor entwickelt.

Organtransplantation. Bei Menschen mit einem transplantierten Organ wird das Immunsystem künstlich mit Medikamenten unterdrückt, wodurch das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom stark steigt.

Höheres Alter. Im Durchschnitt sind die Patienten um die 70 Jahre alt.

Nikotin. Raucher haben ein erhöhtes Risiko ein Plattenepithelkarzinom beispielsweise an den Lippen zu entwickeln.

Wie wird ein Plattenepithelkarzinom behandelt?

Operation
Eine Operation ist die Standardtherapie. Viele Patienten können durch eine chirurgische Entfernung des Tumors, eine sogenannte Exzision, geheilt werden. Dabei lässt der Operateur immer einen klinisch sichtbaren Abstand zwischen dem Tumor und dem von außen gesund erscheinenden Gewebe, um sicherzugehen, dass der Tumor auch vollständig entfernt worden ist. Teilweise sind Hauttumoren in der Tiefe der Haut weiter gewachsen als von außen sichtbar („Eisbergphänomen“). Aus diesem Grund sollte immer eine histologische Untersuchung des Exzidates erfolgen. Eventuell arbeitet der Operateur mit Hilfe der mikrographisch kontrollierten Chirurgie, als zweizeitige Exzision. Das herausgeschnittene Hautareal ist damit tendenziell kleiner, was vor allem im Gesicht sinnvoll sein kann.

Strahlentherapie
Eine Strahlentherapie kommt dann in Frage, wenn der Tumor sehr groß oder ungünstig gelegen ist oder wenn sich der Patient in einem Allgemeinzustand befindet, der eine Operation nicht zulässt. Wenn ein hohes Rückfallrisiko besteht oder Lymphknoten befallen sind, wird eine Strahlentherapie auch unterstützend nach einer Operation eingesetzt. Bei einem fortgeschrittenen Tumor ist eine Kombination von Strahlen- und Chemotherapie möglich.

Arzneimittel
Sie kommen als systemische, das heißt im ganzen Körper wirkende Therapie bei fortgeschrittenen Stadien in Frage. Das kann eine Chemotherapie sein oder eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern. Dabei steht ein neuer Wirkstoff mit dem Namen Cemiplimab zur Verfügung, der die körpereigene Immunantwort aktiviert.

Tipp

Nachsorge ernst nehmen Es besteht ein erhöhtes Risiko, dass nach einer erfolgreichen Behandlung innerhalb von ein paar Jahren ein zweiter Tumor entsteht. Deshalb sollten Sie die Nachsorgeuntersuchungen ernst nehmen. Die Abstände legt der Arzt je nach Ihrem individuellen Risiko fest. Gerade im ersten Jahr können bei höherem Risiko kurze Abstände von etwa einem Vierteljahr ratsam sein. Auch bei einem zweiten Tumor ist die Prognose gut, wenn er früh erkannt wird.

Quellen und weitere Informationen

Bayerische Krebsgesellschaft (Hrsg.): Patientenratgeber Hautkrebs. 2. überarbeitete Auflage 2020.

gesundheitsinformation.de vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): https://www.gesundheitsinformation.de/weisser-hautkrebs.2618.de.html

S3-Leitlinie Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut von März 2020: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-022OLl_S3_Aktinische_Keratosen-Plattenepithelkarzinom-PEK_2020-04.pdf

Stiftung Deutsche Krebshilfe (Hrsg.): Hautkrebs. Aus der Reihe „Die blauen Ratgeber“. 2018.

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